Der Sarkophag des Stephan Melchior von Arnim im Turm der Festung Peitz

 

Von Gerd-H. Zuchold

in Deutsche Zeitschrift für Familienkunde - Heft 3/2008, Band 29, 57. Jahrgang, S. 193ff.

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlags Degener & Co, Insingen bei Rothenburg o. d. Tauber

 

Am 12. Februar 1863 wurde während des Abrisses der alten Kirche in Peitz „ein mit Inschriften und einzelne adlige Wappen versehener kupferner Sarg vorgefunden, bei dessen Eröffnung sich ein sonstig ziemlich defekter hölzerner Sarg befand, welcher auch bald in sich zusammen brach. Die Leiche lag, wenn auch nur aus Staub u. Asche bestehend, noch so vollständig da, daß man aus diesen Resten sehen konnte, sie gehöre einem Manne von mittlerer Größe und Konstitution. Sie war bekleidet mit einem braunen, seidenen Sterbehemde und einer ...mütze auf dem Kopfe. Nach dem Ausspruche hochverständiger Personen ist das Sterbehemde von weißer Farbe gewesen, aber im Laufe der Zeit in ihre jetzige Farbe verwandelt worden,“ wie der Peitzer Bürgermeister Gustav Penzlin (1821–1871) an Gustav v. Arnim (1820–1904) auf Criewen, der als erster Chronist der Familie v. Arnim gilt, schrieb. 1

 

Es handelt sich um den Sarkophag des Stephan Melchior von Arnim (1619–1660), der auf diesem die Wappen von vier Generationen seiner Vorfahren als Ahnenprobe hinterlassen hat. (Abb. 1)

 

Penzlin schrieb weiter an Gustav v. Arnim: „Der Sarg wurde bis zur Ermittlung eines anständigen Ruheplatzes zunächst einige Monate in der Kapelle der hiesigen Neuen Kirche aufbewahrt, ist dann aber mit der Zustimmung des Rentiers Herrn Nitschke in den oberen Raume des Schmetterschen Familienbegräbnisses aufgebart worden. Inzwischen sind die meist in Gold ausgeführten Inschriften des Sarges in Folge der Einwirkung der Luft fast unleserlich geworden.“

 

Am 19. März 1863 wies Adolf v. Werdeck 2 den Peitzer Bürgermeister Penzlin an, „dafür Sorge zu tragen, daß der hier in Rede stehende Sarg, resp: alle sich in ähnlicher Weise etwa noch vorfinden [sic!] Särge an geweihter Stätte auf dem Kirchhofe zur Ruhe beigesetzt werden.“ 3 Vier Wochen später wandte sich Penzlin an den Berliner Kammergerichtsrat Vogel mit der Bitte, bei seinem Schwiegervater Nitschke vorzufühlen, ob der Sarkophag im Schmetterschen Erbbegräbnis auf dem Peitzer Friedhof beigesetzt werden könne, 4 worauf Nitschke zwar positiv reagierte, aber mit seinen Auflagen letztlich für den schlechten Zustand der Malereien auf dem Sarkophag verantwortlich ist: „Zu Folge des an meinen Schwiegersohn, den Herrn Geh. R. Vogel in Berlin gerichteten Schreibens vom 19ten d[iesen Monats] benachrichtige ich Einen Wohlloebichen Magistrat ganz ergebenst, daß ich die Beisetzung des Sarges des früheren Festungs Commandanten v. Arnim in dem Schmetterschen Erbbegräbnis umgehend gestatten werde, jedoch unter der ausdrücklichen Bedingung, daß dadurch keine empfindliche Störung der Särge meiner Angehörigen verursacht wird. Ob der Raum in dem unteren Gewölbe die Beisetzung des Sarges noch zuläßt, scheint mir zweifelhaft und ordne ich daher an, daß der Sarg im oberen Raume beygesetzt werden solle ...“ 5 Auch seitens der evangelischen Kirche bestanden gegen die Beisetzung des Sarkophages in dem Erbbegräbnis keinerlei Bedenken, wie der Peitzer Oberpfarrer Christian Mudra 6 wissen ließ: „... daß kirchlicher Seits gegen die Beisetzung des Sarges in dem oberen Raume des Schmetterschen Gewölbes sich nichts ... findet. Von einer etwaigen Feierlichkeit bei der Translozierung dieser altehrwürdigen Reliquie ist meiner Ansicht nach ganz abzusehen. Selbstverständlich wird diese Translocation und neue Beisetzung in geeigneter Weise und Stunde (früh) mit dem erforderlichen stillen Ernst der Pietät zu bewirken sein.“ 7 Später notierte Penzlin: „Am 16. Mai 63. früh ist die Beisetzung erfolgt.“ 8

 

Die Bedeutung des Sarkophages als Zeugnis brandenburgischer Kunst, Geschichte und Kultur erkannte Ernst Friedel (1837–1918), Direktor des Märkischen Provinzial-Museums in Berlin, der sich am 15. September 1893 erkundigte, ob der Magistrat der Stadt Peitz bereit wäre, den Sarkophag nach Berlin zu verkaufen. Die Antwort der Peitzer Stadtväter war jedoch negativ. 9

 

In den Jahren 1914/15 wurde der Festungsturm in Peitz restauriert und im großen Saal im ersten Geschoß ein Heimatmuseum untergebracht. 10 Offenbar wurde der Sarkophag anläßlich der Aufstellung im Heimatmuseum restauriert und in diesem Zusammenhang zwei der gemalten Wappen falsch rekonstruiert (s. Kap. IV).

   

I. Die Biographie des Stephan Melchior von Arnim

 

Stephan Melchior von Arnim wurde am 24. Juni 1619 als ältester Sohn des Bernd XII v. Arnim (1595–1661) und seiner Gemahlin Dorothea Elisabeth v. Katte a.d.H. Vieritz (1597– 1632) geboren. Unmittelbar nach der Auffindung des Sarkophages wurde der Fund durch den Landrat v. Werdeck dem Vorsitzenden des 1856 gegründeten Familienverbandes, Staatsminister a.D. Adolf Heinrich Graf v. Arnim-Boitzenburg (1803–1868), gemeldet, 11 der den Vorgang an Henning von Arnim (1804–1885) auf Planitz bei Meißen weitergab 12 weil er vermutete, Stephan Melchior gehöre dem sächsischen Zweig der Familie v. Arnim an. Henning v. Arnim jedoch antwortete dem Bürgermeister Penzlin: „... ersehe ich, daß derselbe [Landrat v. Werdeck – Zu] die Güte gehabt hat den Graf Arnim zu Berlin darüber Mittheilung zu machen, und dieser geantwortet hat, daß der Verstorbene der sächsischen Linie angehört haben dürfte. Allein ... wahrscheinlich hat er der Biesenthaler Linie angehört, wo der Name Melchior vorkommt. Diese Linie ist, soviel ich weiß, ausgestorben, wie eben auch näher mit dieser Linie verwandt, als des Grafen Arnim.“ 13

 

Innerhalb des Familienverbandes gehörte er – entsprechend dem jüngsten, anläßlich des 800-jährigen Familienjubiläums veröffentlichten Stammtafelwerk – zum Hauptstamm Gerswalde, 3. Ast: Gerswalde, Zweig: Löhme-Zichow; Unterhaus Boitzenburg. 14

 

1633 trat er in das vom Obersten Georg Ehrenreich v. Burgsdorff (1603–1656 15 aufgestellte Regiment „Jung=Burgsdorff“ ein, in dem er bis zu dessen Auflösung von 1644 bis 1649 Rittmeister war. Er wurde 1658 im Range eines Oberstleutnants Vice-Kommandant der Festung Peitz. 16

 

II. Beschreibung des Sarkophages

 

a) Das Äußere

Der Sarkophag besteht aus mehreren getriebenen und vernieteten Kupferplatten. Aufgrund dieser Herstellungstechnik kann davon ausgegangen werden, daß der Sarkophag im Hüttenwerk Peitz hergestellt wurde. Eine Untersuchung des Sarkophages mit modernsten – zerstörungsfreien – technischen Methoden würde genaue Erkenntnisse über die Herstellungsart und -methode erbringen.   An den beiden Längsseiten sind je acht ovale, erhabene, Wappenfelder und je zwei Ovale mit Löwenprotomen, an denen sich Griffe zum Tragen des Sarkophages befinden.

Am Kopfende des Sarkophages befindet sich auf dem Deckel das Wappen der Familie v. Arnim; auf dem unteren Teil eine Löwenprotome mit einer heute nicht mehr lesbaren Inschrift aus goldenen Buchstaben. Am Fußende befinden sich die Wappen der Familien v. Arnim und v. Katte; im unteren Teil eine Löwenprotome (Abb. 2).

 

Die außerordentlich qualitätvollen Wappenmalereien stammen wahrscheinlich von dem heute noch weitestgehend unbekannten Cottbuser Maler A. Höder, dem Vater des später in königlich-preußischen Diensten beschäftigten Hofmalers Friedrich Wilhelm Hoeder († 1761) 17

 

Der Sarkophag ist in seiner Schlichtheit sowohl in handwerklicher wie auch bildkünstlerischer Hinsicht ein Ausnahmeexemplar brandenburgischer Kunstproduktion außerhalb der Metropolen Berlin und Potsdam und verdient deshalb besondere Aufmerksamkeit.

Abb. 1: Gesamtansicht des Sarkophages des Stephan Melchior v. Arnim

 

b) Die Inschriften

Die heute schwer zerstörte und kaum noch lesbare Inschrift auf dem Deckel des Sarkophages wird von Franz Groger überliefert. 18 Sie lautet: „Wohl Edler gebohrener Gestrenger Ehren Vester und Hoch=benahmbter Herr Stephan Melchior von Arnim, Churfürstl. Durchl. zu Brandenburg gewehsener Oberster Leuthnambt der 1sten Leib Esquadron zu Pferde und Vice Commendant der Veste Peitz ist gebohren Anno 1619 den 24ten Juni undt seelig verstorben Anno 1660. Den 12ten Augusti morgens zwischen 4 undt 5 uhr deßen Seel Gott gnädig sey.“

 

An der rechten und linken Seite des Sarkophagdeckels finden sich folgende Inschriften:

 

Rechte Seite: „Ich liege und schlaffe gantz mit Frieden den du allein Herr hielfst mir, daß ich sicher wohne [Ps. 4,9]. Gehe hin mein Volk in [d]eine Kammer u. schließ die Thür nach dir zu; verberge dich ein klein Augenblick bis der Zorn vorüber geht“ [Jes. 26, 20].

 

Linke Seite: „[Denn] Du wirst meine Seele nicht in der Höllen [dem Tode] lassen und nicht zu geben, daß dein Heiliger verwese, du thust mir kund den Weg zum Leben [Ps 16,10f.]. [Denn] Ich weiß du wirst mich den Tod überantworten, da ist das bestimmte Haus aller Lebendigen, doch [aber] wird er [einer] nicht die Hand ausstrecken ins Beinhaus [unter Trümmern], u. werden nicht schreien vor seinem Verderben?“ [Hiob 30,23f.] 19

   

III. Die Wappen auf dem Sarkophag  

Auf den beiden Längsseiten des Sarkophages sind wie auf Schildbuckeln je acht Wappen der Vorfahren gemalt, also aus Sicht des Probanden (Stephan Melchior v. Arnim) die ihm vorausgehenden vier Generationen.

 

a) Die Wappen der väterlichen Seite (Tafel Ia)

 

Stephan Melchiors Vater war Bernd XII v. Arnim (1595–1661) auf Nieder-Löhme. Er studierte seit 1608 an den Universitäten Straßburg, Marburg und Leipzig Jura und begab sich danach auf eine Kavaliersreise durch Frankreich und Italien, die er Anfang des Jahres 1617 wegen des Todes seines Vaters abbrechen mußte.

Im gleichen Jahre – am 27. Juli – heiratete er Dorothea Elisabeth v. Katte (IIIb). Nach deren Tod im Jahre 1632 heiratete er 1634 in zweiter Ehe Marianne Polyxena Freiin v. Zedlitz und wurde Hauptmann zu Küstrin und Lebus sowie Landvogt der Uckermark. 20

 

Sein Großvater war Stephan II v. Arnim († 1617), der 1614 Hedwig von Röbel (Tf. Ia Nr. 5) geheiratet hatte. Über Stephan II hieß es in der Leichenpredigt, die der Küstriner Superintendent, Konsistorialrat und einstiger Hofprediger der Kurfürstin Anna v. Preußen (1576–1625), Tochter des Herzogs Albrecht Friedrich von Preußen (1553/1568–1618) und Gemahlin des Kurfürsten Johann Sigismund von Brandenburg (1572/1608–1619), Daniel Fessel (1599–1674 21 anläßlich des Todes seines Enkels Bernd Friedrich v. Arnim (1620–1660) 1661 veröffentlichte, er wäre „ein in damaligen Friedenszeiten frommer und häuslicher Mann, welcher durch ordentliches Haushalten seine Kammern gefüllet, die Seinigen mit großen Unkosten in der Fremde erhalten, auch von seinem erworbenen Ueberschusse diese Uckermärkischen Zichowschen Güter an sich erkauft und den Seinigen sonst richtige Dinge nachgelassen, auf Niederlöhme, Gründel, Börnicke, Zichow und Golm Erbherr.“ 22

  Sein Urgroßvater I väterlicherseits war Franz II v. Arnim (1553–1587), 23 der 1549 Anna v. Rohr († 1590) geheiratet hatte 24 (Tf. Ia Nr. 9). Sie war die Tochter Konrads von Rohr auf Neuhausen († 1572/73), der wohl um 1515 Anna v. Bülow geheiratet hatte (Tf. Ia Nr. 19).

Konrad war Landeshauptmann der Prignitz und der Grafschaft Ruppin, kurbrandenburgischer und mecklenburgischer Geheimer Rat des Kurfürsten Joachim II. Hector von Brandenburg (1525/1535–1571) und des Herzogs Albrechts VII. von Mecklenburg († 1547). Als es 1555 zwischen dessen Sohn, Herzog Johann Albrecht I. (1525–1576), und dessen Bruder, Herzog Ulrich von Schwerin-Güstrow (1527/1555–1603), zum Erbstreit um die Teilung der Güter der säkularisierten mecklenburgischen Klostergüter kam, nahm Johann Albrecht Konrad von Rohr erneut als Geheimen Rat in seine Dienste und entsandte ihn in den Jahren 1555 bis 1557 als Gesandten an den Hof seines Bruders Herzog Ulrich von Schwerin-Güstrow, um in diesem Streit zu schlichten. 25 Er wurde erst durch das sog. „Ruppiner Machtwort“ des brandenburgischen Kurfürsten Joachim II. Hector im Jahre 1556 entschieden. Konrad von Rohr gehörte am Hofe des Kurfürsten Joachim II. Hector (1505/1535–1571) zu den mächtigsten Personen; er baute Burg und Kirche Neuhausen. 26

  Abb. 2: Das Fußende des Sarkophages

Der Vater des Franz II v. Arnim, also der Ururgroßvater I väterlicherseits, war der kurfüstlich-brandenburgische Rat Bernd I von Arnim († 1534), 27 der Anna v. Bredow geheiratet hatte 28 (Tf. Ia Nr. 17).

Hedwig v. Röbel († 1634/37), die Großmutter väterlicherseits, war die Tochter des berühmten kurbrandenburgischen Feldmarschalls Joachim v. Röbel (1515–1572), 29 der mit Hedwig v. Krummensee verheiratet war (Tf. Ia Nr. 11). Sie war die Tochter des Hans von Krummensee und der Katharina v. Mörner (Tf. Ia Nr. 23)

 

Dessen Vater Hans v. Röbel (1505–1563) – Urgroßvater III väterlicherseits – war Rat des Kurfürsten Joachim II. Hektor (1505/1535–1571) und verheiratet mit Dorothea v. Biesenbrow 30 (Tf. Ia Nr. 21).

 

b) Die Wappen der mütterlichen Seite (Tafel Ib)

 

An dieser Seite des Sarkophages gibt es erhebliche Probleme mit zwei der dargestellten Wappen. 31

 

Stephan Melchior v. Arnims Mutter war Dorothea Elisabeth v. Katte (1597–1632) [Tf. Ib Nr. 3]. Sie war die Tochter von Melchior III v. Katte (um 1565–1622) und dessen Gemahlin Ursula v. Thümen a.d.H. Blankensee (Tf. Ib Nr. 7).

 

Melchior III v. Kattes Vater war Balthasar v. Katte (urk. 1553–1568), der Ursula v. Tresckow a.d.H. Milow geheiratet hatte 32 (Tf. Ib Nr. 13). Ihr Vater war Joachim v. Tresckow (1503–1573), ihre Mutter Ursula v. Arnim a.d.H. Krüssau († 1569) 33 [Tf. Ib Nr. 27]. Beider Epitaphien befinden sich in der Dorfkirche in Milow 34.

 

Balthasars Vater – also der Ururgroßvater I mütterlicherseits –, der auch Balthasar hieß (vor 1500–1557), war zweimal verheiratet: zuerst – der Stammtafel Katte zufolge – mit Ursula v. Arnim a.d. H. Krüssau und danach mit Katharina v. Tresckow a.d.H. Buckau. Für die erste Ehe ist eine falsche Gemahlin angegeben (s. IV).

 

Ursula v. Thümen a.d.H. Blankensee (Tf. Ib Nr. 7) war die Tochter des kursächsischen Vice-Kanzlers Cuno v. Thümen († 1588) und seiner Gemahlin Dorothea v. Ramin. Cuno v. Thümen studierte an den Universitäten Wittenberg und Frankfurt an der Oder, trat danach zunächst in die Dienste des Kurfürsten Joachim II. von Brandenburg (1509/1535–1571) und später in die des sächsischen Kurfürsten August (1526/1533–1586). Von hier ging er nach Magdeburg, wo der Markgraf und nachmalige Kurfürst Joachim Friedrich von Brandenburg (1546/1598–1608) in den Jahren 1566–1598 evangelischer Administrator des Erzbistums Magdeburg war. Von hier wandte Cuno sich zurück nach Sachsen, wo er der Vice-Kanzler des sächsischen Kurfürsten bis zu dessen Tode im Jahre 1586 war. 35

 

Cuno v. Thümen war der Sohn des brandenburgischen Oberschenken Otto v. Thümen († 1606), der entsprechend der Hofordnung des Kurfürsten Joachims II. (1509/1535–1571) zu den Personen gehörte, die an der kurfürstlichen Tafel verpflegt wurden. Otto v. Thümen war mit Margarethe v. Gadow verheiratet. 36

 

Dorothea v. Ramin (Tf. Ib Nr. 15), die Urgroßmutter II mütterlicherseits, war die Tochter von Henning v. Ramin und Adelheid v. Arnim. 37

   

IV. Die falsch gemalten Wappen auf der mütterlichen Seite

 

An der Stelle, wo sich das Wappen der Ururgroßmutter I mütterlicherseits auf dem Sarkophag befindet, ist heute ein Wappen zu sehen, das aufgrund seiner Struktur und Blasonierung dem Wappen der Familie v. der Planitz entspricht (Tf. Ib Nr. 25). Es gibt aber in der Familiengeschichte derer v. der Planitz keinen Hinweis, daß es im in Betracht kommenden Zeitraum eine eheliche Verbindung zwischen den Familien v. Katte und v. der Planitz gegeben hat, 38 wie auch die Stammtafel der Familie v. Katte eine solche Verbindung nicht belegt.

 

An der Stelle des Sarkophages, an der sich das Wappen der Ururgroßmutter IV mütterlicherseits befindet, ist ein Wappen gemalt, das in etwa dem der Familie v. Güntersberg entspricht: rot mit weißem Schrägbalken, der mit drei schwarzen Eberköpfen belegt ist; 39 allerdings sind auf dem Wappen am Sarkophag statt der Eberköpfe Sterne gemalt. Da es ein solches Wappen aber nicht gibt, wäre die Interpretation des Wappens als v. Güntersberg durchaus sinnfällig, wenn man Dorothea v. Ramin (Tf. Ib Nr. 15) als Tochter des Friedrich von Ramin und dessen Gemahlin Hippolyta v. Güntersberg ansehen würde. 40 Diese Annahme ist aber nicht haltbar (s. u.)

 

Und noch eine dritte Ungereimtheit bedarf der Aufklärung. Im Stammbaum der Familie v. Katte heißt es, Balthasar, der Ururgroßvater I mütterlicherseits (Tf. Ib Nr. 24) von Stephan Melchior v. Arnim, sei zweimal verheiratet gewesen: 1. mit Ursula v. Arnim a.d.H. Krüssau und 2. mit Katharina v. Tresckow a.d.H. Buckau. Der Name der ersten Gemahlin kann nicht stimmen, denn Ursula v. Arnim a.d.H. Krüssau war mit Joachim v. Tresckow verheiratet; 41 beider Epitaphien befinden sich in der Dorfkirche in Milow (s. Anm. 34).

 

Aufklärung bringt die Ahnenprobe der Anna Elisabeth v. Katte (1658–1718) an der Patronatsloge in der Dorfkirche in Milow (Tf. II). Sie war mit Johann Sigismund v. Tresckow (1660–1718) auf Milow verheiratet 42 und die Base des Stephan Melchior v. Arnim, d.h. beide hatten ab Großvater/Großmutter dieselben Vorfahren. Als Wappen der vier Ururgroßmütter der Anna Elisabeth v. Katte werden angegeben: v. Schlabrendorff, v. Gadow und zweimal v. Arnim. Das erste Arnimsche Wappen gehört zu Ursula v. Arnim a.d.H. Krüssau (Tf. Ib Nr. 27, II Nr. 19), das zweite zu Adelheid v. Arnim, die Henning v. Ramin geheiratet hatte. 43

 

Aus der Ahnenprobe der Anna Elisabeth v. Katte ergibt sich zwangsläufig, daß die falsch gemalten Wappen auf dem Peitzer Sarkophag den Familien v. Schlabrendorff (Ururgroßmutter I) und v. Arnim (Ururgroßmutter IV) zugeordnet werden müssen und daß Balthasar v. Katte (vor 1500–1557) in erster Ehe mit einer v. Schlabrendorff verheiratet gewesen sein muß. 44

 

Aus der Ahnenprobe des in der Dorfkirche in Milow aufbewahrten Totenschild des Arnd Heinrich v. Tresckow (1664–1689) geht zudem zwingend hervor (Tf. III), daß der eben genannte Balthasar v. Katte (vor 1500–1557) mit seiner zweiten Frau Catharine v. Tresckow († 1609) eine Tochter hatte: Margarethe v. Katte, die in der Stammtafel der Familie v. Katte nicht genannt wird. Aufgrund der Wappen auf dem Totenschild des Arnd Heinrich v. Tresckow (1664–1689) darf als sicher gelten, daß die in der Stammtafel der Familie v. Katte genannten Kinder des Balthasar v. Katte (vor 1500–1557) nicht aus dessen erster, sondern aus der zweiten Ehe stammen.

 

Überdies zeigt die Ahnenprobe der Gemahlin des Bernd XII v. Arnim (1595–1661), Dorothea Elisabeth v. Katte (1597–1632) in der Dorfkirche in Löhme (Barnim), daß ihr Urgroßvater I väterlicherseits, Balthasar v. Katte (vor 1500–1557), mit einer v. Schlabrendorff verheiratet war, denn das Schlabrendorff’sche Wappen steht an der Stelle, wo das Wappen der Urgroßmutter I väterlicherseits stehen muß. 45

 

Photonachweis: 1, 2 Gerd-H. Zuchold.

 

Dr. Gerd-H. Zuchold, Machnower Str. 81, 14165 Berlin

 

Anlagen:

Tafel I a, Stephan Melchior v. Arnim, die väterliche Linie

Tafel I b, Stephan Melchior v. Arnim, die mütterliche Linie

Tafel II, Anna Elisabeth v. Katte

Tafel III, Arndt Heinrich v. Tresckow

 

zurück zum Anfang dieser Seite


Für Unterstützung danke ich Dirk Redies (Peitz), Mira Gräfin v. Schack (Berlin), Rüdiger v. Treskow (Brüssel), Dietrich v. der Planitz (Bonn), Jasper v. Arnim (Melbeck), Dr. Maria v. Katte (Vahlberg), Pfarrer Christoph Seydich (Milow/Havelland), Alard v. Arnim (Groß Fredenwalde).

1

 

 Schreiben des Bürgermeisters Gustav Penzlin an Gustav v. Arnim-Criewen: Stadtarchiv Forst, Akte I.9. Nr. 7 (305), unp. – Gustav v. Arnim-Criewen schrieb die erste Familiengeschichte derer v. Arnim: Beiträge zur Geschichte des von Arnim’schen Geschlechts, Theil I, Berlin 1883. Ein zweiter Teil ist nicht erschienen.

2

 

 

 

Adolf v. Werdeck (vor 1820–1871): Herr auf Schorbus bei Cottbus; Hauptmann a.D., Geheimer Regierungsra und Landrat; studierte Jura in Berlin und Göttingen; von 1851 bis 1871 Landrat des Kreises Cottbus; zwischen 1849–1852 und 1860–1870 Mitglied für die Konservative Partei im Preußischen Abgeordnetenhaus: Bernd Haunfelder, Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus 1849–1867, Düsseldorf 1994, S.267f. Nr. 1822 (= Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Bd. 5). – Götz Freiherr von Houwald, Die Niederlausitzer Rittergüter und ihre Besitzer, Bd. VII: Kreis Kottbus, Neustadt an der Aisch 2001, S. 214f.

3

Stadtarchiv Forst, Akte I.9. Nr. 7 (305), Bl. 25 vs.

4

Stadtarchiv Forst, Akte I.9. Nr. 7 (305), Bl. 25 rc.

5

Stadtarchiv Forst, Akte I.9. Nr. 7 (305), Bl. 30 vs.

6

 

Christian Mudra (1799–1883) studierte an der Universität Halle Theologie, wurde 1829 Subdiakon und Rektor in Peitz und 1830 ebendort Oberpfarrer bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1873: Evangelisches Pfarrerbuch für die Mark Brandenburg, Bd. II,2, Verzeichnis der Geistlichen in alphabetischer Reihenfolge, bearb. von Otto Fischer, Berlin 1941, S. 567.

7

Stadtarchiv Forst, Akte I.9. Nr. 7 (305), unpag.

8

Stadtarchiv Forst, Akte I.9. Nr. 7 (305), Bl. 28.

9

Stadtarchiv Forst, Akte I.9. Nr. 7 (305), Bl. 108.

10

Kurt Reismann, Die Kunstdenkmäler des Stadt= und Landkreises Cottbus, Berlin 1938, S. 169ff. (= Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg 5,3).

11

 

Das Geschlecht von Arnim: V. Stammtafeln, bearbeitet von Jasper v. Arnim, Neustadt an der Aisch 2002, Tf. 58/105, 18 (= Deutsches Familienarchiv, Band 137–140 [Tafelband]). – Über die Wirksamkeit vgl. auch Wolf Nitschke, Adolf Heinrich Graf v. Arnim-Boitzenburg (1803–1868). Eine politische Biographie, Berlin 2004 (= Studien und Texte zur Erforschung des Konservativismus, Bd. 5)

12

Arnim, Stammtafeln (wie Anm. 11), Tf. 58/27.

13

Stadtarchiv Forst, Akte I.9. Nr. 7 (305), Bl. 26 vs.

14

Arnim, Stammtafeln (wie Anm. 11), Tf. 96/3.

15

Hans v. Burgsdorff-Friedrichstanneck, Stammtafeln des uradeligen Geschlechts der Herren von Burgsdorff, Düsseldorf 1958, Bd. 1, S. 207ff.

16

 

 

Der Teil basiert auf Werner Konstantin von Arnswaldt, Ernst Devrient, Das Geschlecht von Arnim, II. Teil: Geschichte der Familie, 2. Band: Der Hauptstamm Gerswalde, 1922, S. 168f. (= Nachdruck Eggenheim 1988).
– Franz Groger, Urkundliche Geschichte der Stadt und ehemaligen Festung Peitz, T. II: Nach dem handschriftlichen Manuskript nach den Beständen des Stadtarchivs Peitz, Peitz 1999, S. 353.

17

 

Ulrich Thieme, Felix Becker, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Leipzig 1924, Bd. 17, S. 186f. (= Nachdruck Leipzig 1999). – Für den Hinweis auf Friedrich Wilhelm Höder danke ich Dirk Redies (Peitz) sehr herzlich. Um hier genaue Informationen zu erlangen, sind Recherchen in den Cottbuser Kirchenbüchern notwendig, die zeitlich sehr aufwendig sind.

18

Die Inschrift ist bei Groger (wie Anm. 16), S. 353; leicht fehlerhaft und gekürzt sowie der modernen Rechtschreibung angepaßt bei Arnim II,2 (wie Anm. 16), S. 169.

19

Die Wiedergabe der Transkription hält sich an die Abschriften in dem Entwurf des Briefes des Bürgermeisters Penzlin an Gustav v. Arnim-Criewen: Stadtarchiv Forst, Akte I.9. Nr. 7 (305), unpag.

20

Arnim II,2 (wie Anm. 16), S. 161ff.

21

Evangelisches Pfarrerbuch (wie Anm. 6), Bd. II,1, S. 198.

22

Arnim II,2 (wie Anm. 16), S. 126 .

23

Arnim, Stammtafel (wie Anm. 11), Taf. 95/1, 93/7.

24

Christopher Frhr. v. Warnstedt, Die von Rohr auf Neuhausen, in: Genealogie. Deutsche Zeitschrift für Familienkunde VIII 1966/67, S. 19 Tab. VIII:17.

25

Ebd., S. 19 Tab. VIII:17.
26 Paul Eichholz (Hrsg), Die Kunstdenkmäler des Kreises Westprignitz, Berlin 1909, S. 199ff. – s. auch Gerhard Vinken (Bearb.), Brandenburg, München, Berlin 2000, S. 700f. (= Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler: Brandenburg).
27 Arnim, Stammtafeln (wie Anm. 11), Tf. 93/1. – Arnim-Criewen, wie Anm. 1, S. 79ff. Nr. 39.
28 Geschichte des Geschlechts von Bredow, T. 3: Das Bredower Haus, Halle 1872, S. 196.
29

 

Theodor Fontane, Wanderungen durch die Mark Brandenburg, T. IV: Spreeland. Beeskow-Storkow und Barnim-Teltow (hrsg. von Gotthard Erler und Rudolf Mingau), Berlin 1994 S. 167ff. (= Theodor Fontane, Grosse Brandenburger Ausgabe, hrsg. von Gotthard Erler). – Joachim von Roebel, Die brandenburgische Adelsfamilie von Roebel, in: Der Tappert. Mitteilungen des Wappen-Herold. Deutsche Heraldische Gesellschaft e.V. 1975–1979, S. 67f.
30 Roebel (wie Anm. 29), S. 67.
31 Die Darstellung folgt: Die Katten im Stammbaum, bearbeitet vom Zolchower im Jahr 1965, fortgeschrieben von Wulf; Stand: 19.01.2007.
32

 

In der Stammtafel der Familie v. Katte heißt es „Ursula v. Tresckow a.d.H. Schlagenthin“. In der Geschlechtstafel I,6 der Familie v. Treskow (s. Anm. 41) sind nur die Eltern der Ursula v. Tresckow – Joachim v. Tresckow a.d.H. Milow und seine Gemahlin Ursula v. Arnim a.d.H. Krüssow – genannt; in Tafel II,6 werden nur die Söhne Joachims v. Tresckows genannt. Rüdiger v. Treskow teilte mir am 19. April 2008 mit, Ursula v. Tresckow stamme aus dem Hause Milow.
33 Arnim, Stammtafeln (wie Anm. 11), Tf. 7/13.
34 Dehio, Brandenburg (wie Anm. 26), S. 660f.
35 Karl v. Thümen, Geschichte des Geschlechts von Thümen, Liegnitz 1889, Th. II: Lebensgeschichtliche Nachrichten, S. 27 Nr. 2.
36 Ebd., S. 22 Nr. 12.
37 Arnim, Stammtafeln (wie Anm. 11), Tf. 51/13.
38 Frdl. Mitteilung von Dietrich v. der Planitz (Bonn) an Vf. vom April 2008.
39 Die Wappen des preußischen Adels, T. 3: Abgestorbener Adel der Mark, bearb. von G. A. v. Mülverstedt, Neustadt an der Aisch 1978, S. 56, Tf. 20.

40

Gotha. Uradel 1905, S. 664.

41

Geschlechts-Tafel Nr. I der Familie von Treskow. 1360–1686, Generation VI. – Arnim, Stammtafeln (wie Anm. 11), Tf. 007/13.

42

Geschlechts-Tafel Nr. IV der Familie von Treskow: Linie Schlagenthin – Milow – Owinsk 1563 – 1771, Generation IX.

43

Arnim, Stammtafeln (wie Anm. 11), Tf. 51/13.

44

 

Die Gegenprobe in der Schlabrendorff’schen Genealogie zu machen, ist leider nicht möglich, da die von Konstanin Graf v. Schlabrendorf im Jahre 1842 herausgegebene „Kurze genealogische Übersicht der churmärkischen Familie der Herren von Schlabrendorf“ in den ersten Generationen auf die Verzeichnung der Töchter verzichtet.
45 Den Hinweis auf die Ahnenproben in der Dorfkirche in Löhme (Barnim) verdanke ich Jasper v. Arnim (Melbeck).


zurück zur Seite  Literatur von und über die Familie von Arnim

 

zurück zum Anfang dieser Seite